Einerseits bin ich deprimiert. Ich bin immer deprimiert, wenn etwas nicht so läuft, wie ich es gerne hätte.
Und wenn andere mir auch noch die „Schuld“ daran
geben bzw. niemand wirklich „Schuld“ hat, aber ich
das Nachsehen dabei habe, während der andere
ungeschoren aus der Sache raus kommt. So etwas
deprimiert mich und macht mich auch manchmal wütend.
Früher ging es dabei um Frauen und dass sie nichts von
mir wissen wollten und ich dagegen nichts tun konnte.
Dieses Kapitel hat sich nun erledigt.
Dafür geht es jetzt um Nachhilfeschüler. Letzte Woche hatte ich einen Jungen in Deutsch und
der hat dann zu Erobriefie gesagt, dass er keinen Unterricht mehr mit mir machen will, weil ich ihm alles so ausführlich erklärt hätte, dass er sich dabei behandelt gefühlt hätte wie ein kleines Kind. Und dann
schrieb Erobriefie mir, dass sie diesen Schüler
eigentlich für mich vorgesehen hätte und dass
sie nun gar keinen mehr für mich hätte. Und
dann hat der Afrikaner den Unterricht für heute
auch noch abgesagt. Das ist alles so deprimierend.
Doch gleichzeitig bin ich froh. Froh darüber, dass
ich auf nichts und niemanden angewiesen bin.
Insbesondere bin ich froh darüber, dass ich nicht
auf das Geld aus der Nachhilfe angewiesen bin.
Erobriefie hat mir das Geld für Mai immer noch
nicht überwiesen. So etwas finde ich zwar „ärgerlich“,
aber für andere Menschen ist es „lebenswichtig“,
dass sie ein regelmäßiges Gehalt pünktlich bekommen.
Früher habe ich immer Lotto gespielt und gesagt: „Wenn
ich gewinne, dann höre ich auf zu arbeiten.“ Heute spiele
ich zwar immer noch hin und wieder Lotto, aber im Falle
eines Gewinnes würde sich kaum etwas ändern. Ich würde
nicht anders leben wollen, und auch die Nachhilfe würde
ich weiter machen wollen, eben weil es mir Spaß mach
t und nicht, weil ich das Geld brauche.
Denn Geld verdiene ich damit ohnehin kaum. Was ich
damals in der Bank in einem Monat hatte, das habe
ich durch die Nachhilfe gerade mal im ganzen Jahr.